Über mich

Ich habe nicht wieder angefangen zu malen. Ich habe angefangen, meine eigene Sprache zu malen.

 

Obwohl ich noch gar nicht so alt bin, habe ich jahrzehntelang nicht wirklich malen können.

 

Als Kind war Malen für mich ein Muss. Und gleichzeitig öffnete es eine Tür zu etwas, das ich nicht halten konnte. Zu viele Gefühle, zu unkontrolliert, zu viel auf einmal. Also ging diese Tür irgendwann zu.

 

Später, in meiner Ausbildung als Steinmetzinnung Steinbildhauerin, lernte ich technisch zu zeichnen und zu malen. Abzeichnen, Aktzeichnen, Studien, Stillleben – das konnte ich. Und ich konnte es gut. Aber es war wenig von mir darin.

 

Es folgten Jahre, in denen es um etwas anderes gehen musste. Um Stabilisierung. Um das Auseinandersetzen mit meiner eigenen Geschichte und vorangegangenen Traumata. Darum, meine Wahrnehmung zu verändern und irgendwann auch mich selbst anders wahrnehmen zu können.

 

Die Kunst kam nicht plötzlich zurück. Es gab zwei Momente in meinem Leben, die ihr wieder Raum gegeben haben.

 

Der erste kam nach der Schwangerschaft meiner ersten Tochter.

 

Ich begann, Vögel in Aquarell zu malen. Schöne, bunte, kontrollierte Bilder. Zum ersten Mal machte das Malen wieder Freude. Und gleichzeitig begann etwas, das ich damals noch gar nicht richtig wahrgenommen habe: ein Spiel zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.

 

Noch hielt ich mich sehr an Vorlagen. Ich konnte mich davon nicht lösen.

 

Dann wurde es wieder still.

 

Der zweite Moment kam Jahre später – ausgerechnet durch eine Zeit, in der in meinem Leben eigentlich kaum noch etwas möglich war.

 

Ich erkrankte an ME/CFS. Nach zweieinhalb Jahren Krankheit wurde ich langsam wieder fitter. Und irgendwann fing ich wieder an zu malen.

 

Zuerst vorsichtig. Porträts. Noch mit Halt, noch mit Orientierung an dem, was vor mir lag.

 

Aber dann wurde es wilder.

 

Mit jedem Bild habe ich ein bisschen mehr losgelassen. Formen haben sich verändert, Figuren sind aufgetaucht, Dinge haben sich miteinander verbunden, die eigentlich nicht zusammengehören. Ich habe aufgehört, ständig zu fragen, ob etwas „richtig“ ist.

 

Heute male ich sehr intuitiv.

 

Aber Intuition bedeutet für mich nicht planlos. Und Kontrollverlust bedeutet nicht, keine Kontrolle zu haben.

 

Genau das Dazwischen interessiert mich.

 

Wie viel nehme ich mir aus der Welt? Eine Figur, ein Gesicht, eine Haltung, eine Form. Wie viel davon brauche ich als Ausgangspunkt? Und wann lasse ich los und ergänze aus meiner eigenen inneren Welt?

 

Irgendwann weiß ich selbst nicht mehr genau, wo das eine aufhört und das andere beginnt.

 

Es wächst zusammen.

 

Zu einem Bild. Einer Welt. Manchmal fast zu einem eigenen Wesen.

 

Und zu etwas, das inzwischen unverkennbar meines ist.

 

Ich kann oft nicht beantworten, was ich mir bei einem Bild „gedacht“ habe. Manchmal weiß ich auch nicht genau, was ich dabei gefühlt habe. Und wenn ein Bild fertig ist, kann ich nicht immer erklären, was es bedeutet.

 

Vielleicht muss ich das auch gar nicht.

 

Denn vieles davon existiert in mir offenbar schon, bevor ich Worte dafür habe.

 

Es passiert beim Malen.

 

Es muss raus.

 

RausArten.